Vom Stress

 

Unter dem Begriff der Stress-Reaktion werden alle Prozesse zusammengefasst, die auf Seiten der betroffenen Person als Antwort auf einen „stressenden“ Reiz in Gang gesetzt werden.

Körperliche Stress-Reaktionen
Die körperliche Ebene der Stress-Reaktion umfasst die in einer belastenden Situation ablaufenden neurohumoralen und vegetativ-physiologischen Prozesse. Hier kommt es zu einer Vielzahl von Veränderungen, die insgesamt zu einer körperlichen Aktivierung und Energiemobilisierung führen.

Der österreichisch-kanadische Mediziner und Biochemiker Hans Selye, der heute als Vater der modernen Stressforschung gilt, war der erste, der die körperliche Stressreaktion systematisch untersucht hat. Er bezeichnete diese als allgemeines Anpassungssyndrom (Selye 1981). Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass es sich um eine unspezifische Reaktion eines Organismus auf jedwede Art von Belastung handelt, die der Anpassung des Organismus an diese Belastungen dient.

Die behaviorale Ebene der Stressreaktion umfasst das so genannte „offene“ Verhalten, das von Aussenstehenden beobachtbar ist. Also alles das, was die betreffende Person in einer belastenden Situation tut oder sagt. Häufige behaviorale Stressreaktionen sind z.B.:

  • Hastiges und ungeduldiges Verhalten, z.B. das Essen schnell hinunterschlingen, Pausen abkürzen oder ganz ausfallen lassen, schnell und abgehakt sprechen, andere unterbrechen.
  • Betäubungsverhalten, z.B. mehr und unkontrolliert Rauchen, Essen oder Alkohol trinken, Schmerz-, Beruhigungs- oder Aufputschmedikamente einnehmen.
  • Unkoordiniertes Arbeitsverhalten, z.B. mehrere Dinge gleichzeitig tun, „sich in die Arbeit stürzen“, mangelnde Planung, Übersicht und Ordnung, Dinge verlegen, verlieren oder vergessen.
  • Konfliktreicher Umgang mit anderen Menschen, z.B. aggressives, gereiztes Verhalten gegenüber Familienangehörigen, häufige Meinungsverschiedenheiten um Kleinigkeiten, anderen Vorwürfe machen, schnelles „aus der Haut fahren“.

Kognitiv-emotionale Stressreaktionen
Die kognitiv-emotionale Ebene der Stressreaktion umfasst das so genannte „verdeckte“ Verhalten, intrapsychische Vorgänge, die für Aussenstehende nicht direkt sichtbar sind. Also alle Gedanken und Gefühle, die bei der betroffenen Person in einer belastenden Situation ausgelöst werden können. Häufige kognitiv-emotionale Stressreaktionen sind z.B.:

  • Gefühle der inneren Unruhe, der Nervosität und des Gehetztseins,
  • Gefühle der Unzufriedenheit und des Ärgers,
  • Angst, z.B. zu versagen, sich zu blamieren,
  • Gefühle der Hilflosigkeit,
  • Selbstvorwürfe,
  • kreisende, „grüblerische“ Gedanken,
  • Leere im Kopf (black out),
  • Denkblockaden.