Burnout rechtzeitig Erkennen

Burnout, ein ernstzunehmender Erschöpfungszustand, entwickelt sich schleichend. Besonders in Phasen besonders hoher beruflicher oder/und privater Belastungen können die Symptome des Burnouts entstehen. Engagierte, aktive Menschen mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein und Dauerstress laufen besonders schnell Gefahr, die ersten Symptome zu negieren. Was mit gelegentlicher Erschöpfung, Schlafstörungen und Konzentrationsproblem beginnt, kann bis zum totalen Zusammenbruch der Persönlichkeit führen.

Zu eine wirkungsvollen Vorbeugung gehören genügend Bewegung, ein gesunde Ernährung, tragende soziale Bindungen und die  Fähigkeit, persönliche Grenzen zu erkennen und zu respektieren.

Stressgeplagte verlieren schnell einmal jegliche Achtsamkeit und somit das Gefühl für eigene Bedürfnisse. Im Grunde eine sehr anerkennenswerte Leistung, sich für ein Thema intensiv zu engagieren und leistungsorientier zu leben. Der Organismus kann den latenten hohen Anforderungen jedoch nicht konstant gerecht werden. Der Preis für die eigene Gesundheit und das soziale Umfeld kann hoch sein.

Burnout entwickelt sich nicht von einem Tag auf den anderen, sondern schleichend über einen längeren Zeitraum hinweg.

Herbert Freudenberger hat das „Ausbrennen“ in zwölf Phasen eingeteilt, die aber nicht bei jedem Betroffenen nacheinander ablaufen. Sollten Sie diese Phasen bei sich selbst oder bei Betroffenen erkennen, zögern Sie nicht und suchen Sie nach professioneller Unterstützung.

Stadium 1: Der Zwang, sich zu beweisen

Übertriebener Ehrgeiz steht häufig am Anfang. Tatendrang, Interesse und der Wunsch, sich im Beruf zu verwirklichen, verwandeln sich in Verbissenheit und Leistungszwang. Man muss den Kollegen – und vor allem sich selbst – laufend beweisen, dass man den Job besonders gut macht und alles bewältigt. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, die Grenzen seiner Möglichkeiten zu erkennen und Misserfolge hinzunehmen.

Stadium 2: Verstärkter Einsatz

Um seinen überzogenen Erwartungen gerecht zu werden, legt man noch etwas nach und erhöht den Einsatz. Delegieren fällt zunehmend schwer, stattdessen dominiert das Gefühl, alles selbst machen zu müssen, auch um die eigene Unentbehrlichkeit zu demonstrieren.

Stadium 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

Im Zeitbudget ist nur noch Platz für Berufliches vorgesehen. Bedürfnisse wie Schlafen und Essen oder Treffen mit Freunden und Bekannten werden als nichtig abgetan. Freizeit im Sinn von „freie Zeit“ verliert ihren Sinn. Vor sich selbst deklariert man diesen Verzicht als heroische Leistung.

Stadium 4: Verdrängung von Konflikten

Man registriert zwar, dass etwas nicht stimmt, stellt sich seinen Problemen aber nicht. Sich damit auseinanderzusetzen, könnte eine Krise auslösen und wird folglich als bedrohlich empfunden. Konflikte werden weggeschoben und verleugnet, egal in welchem Bereich sie auftreten. Ab diesem Stadium machen sich oft die ersten körperlichen Beschwerden bemerkbar.

Stadium 5: Umdeutung von Werten

Durch Isolation, Konfliktscheue und die Negation eigener Bedürfnisse kann sich die Wahrnehmung verändern. Man deutet seine bisherigen Werte um, einst Wichtiges – wie Freunde oder Hobbys – wird völlig entwertet. Einziger Massstab für die eigene Wichtigkeit, das Selbstwertgefühl, ist der Job. Alles andere wird diesem Ziel untergeordnet. Emotional stumpft man zusehends ab.

Stadium 6: Verleugnung der auftretenden Probleme

Hauptsymptom dieser Phase ist die Intoleranz: Andere werden als dumm, faul, fordernd oder undiszipliniert wahrgenommen. Zwangsläufig empfindet man soziale Kontakte als kaum zu ertragen. Zynismus und Aggression treten deutlicher zu Tage. Probleme führt man aber dennoch ausschliesslich auf den Zeitdruck und das Arbeitspensum zurück, und nicht auf das Burn-out.

Stadium 7: Rückzug

Die sozialen Kontakte reduzieren sich auf ein Minimum. Man lebt zurückgezogen, eingeigelt, und empfindet eine zunehmende Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit. Im Beruf wird nur noch „Dienst nach Vorschrift“ verrichtet. Viele Kranke greifen in dieser Phase zu Suchtmitteln wie Alkohol oder Medikamenten.

Stadium 8: Offensichtliche Verhaltensänderungen

Nunmehr wird die Wesensänderung auch für andere deutlich sichtbar. Die einst engagierten und tatkräftigen Menschen sind ängstlich, scheu und apathisch. Die Schuld weisen sie ihrer Umwelt zu. Innerlich fühlen sie sich immer wertloser.

Stadium 9: Depersonalisierung

In diesem Stadium reisst der Kontakt zu sich selbst ab. Man empfindet weder sich noch andere als Wert, nimmt seine Bedürfnisse nicht mehr war. Die zeitliche Perspektive engt sich auf die Gegenwart ein. Das Leben wird zu einem mechanischen Funktionieren herabgewürdigt.

Stadium 10: Innere Leere

Immer stärker macht sich eine innere Leere breit. Um diese zu überwinden, sucht man verkrampft nach Beschäftigung. Überschussreaktionen wie gesteigerte Sexualität, übermässiges Essen, Drogen- und Alkoholgenuss treten auf. Freizeit ist leere Zeit, und oftmals auch betäubte.

Stadium 11: Depression

In diesem Stadium gleicht das Burn-out-Syndrom einer Depression. Man ist gleichgültig, hoffnungslos, erschöpft und sieht keine Perspektive für die Zukunft. Sämtliche Symptome depressiver Zustände können auftreten, von Unruhe bis hin zur völligen Teilnahmslosigkeit. Das Leben verliert den Sinn.

Stadium 12: Völlige Burn-out-Erschöpfung

Dieses Stadium beschreibt den völligen psychischen und physischen Zusammenbruch. Da Suizid-Gedanken auftreten können, muss in dieser Phase so schnell wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.